Die im Jahr 1991 von Krauss-Maffei gebaute 127 001, heute als ES 64 P bezeichnet, ist die »Urmutter« der modernen Siemens-Drehstromloks, die beispielsweise bei der Deutschen Bahn mit den Baureihen 152, 182 und 189 zum Einsatz kommen. Im inzwischen dritten Farbkleid blickt die Lok auf ein bewegtes Leben zurück.
Michael Mrugalla
Anfang der 1990er Jahre wandelte sich die Zusammenarbeit zwischen Schienenfahrzeugindustrie und Bundesbahn grundlegend. Während Fahrzeuge früher in enger Zusammenarbeit zwischen Bahn und Hersteller entwickelt und erprobt wurden, wollte man seitens der DB künftig »fertige Fahrzeuge« von den Lieferanten beziehen.
Aus diesem Umstand resultierte die Tatsache, dass Krauss-Maffei (mechanischer Teil) zusammen mit Siemens (elektrischer Teil) auf eigene Rechnung ein Vorführ- und Erprobungsfahrzeug fertigte.

Anlässlich der Weltrekordfahrt
der 1216 050 am 2. September 2006 gab es in Kinding
eine kleine Fahrzeugausstellung, bei der Gerhard Klug die frühere
127 001 mit gelben Stirnfronten ablichten konnte.
Die Lok wurde im Anschluss an eine Serie ähnlicher Loks, die für die spanische RENFE bestimmt waren, gebaut. Mit einer installierten Leistung von 6.400 kW und einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h handelt es sich um die klassische »Universallok«, von der man bei der DB seinerzeit unter dem Projekttitel »Baureihe 121« träumte.
Ab Herbst 1992 wurde die Maschine als 127 001-6 ausgiebig erprobt und im Plandienst hauptsächlich im Fernverkehr eingesetzt. Die auf den Namen »Werner von Siemens« getaufte Lok war silbern lackiert, die Stirnfronten waren in Magenta gehalten. Seitlich findet sich bis heute der Schriftzug »EuroSprinter«.

Zu
unverhofften Reisezugehren kam der »EuroSprinter« am
27. Juli 2009. Eingeteilt war die Lok für die
Überführung der noch nicht zugelassenen 189 800 der
MTEG. Weil aber der vorausfahrende
»München-Nürnberg-Express« in Allersberg mit einer
Fahrzeugstörung liegen blieb, nutzte man den Lokzug gleich zum
Abschleppen des RegionalExpress.
Foto: Michael Mrugalla
Am 6. August 1993 stelle die 127 001 zwischen Würzburg und Fulda mit einer Geschwindigkeit von 310 km/h einen Weltrekord für Drehstromfahrzeuge auf.
Im Sommer 1999 wurde die Lokomotive an die EVB - Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH, Zeven, vermietet und war damit eine der ersten Elektrolokomotiven, die in einer Zeit der Liberalisierung des Bahnmarktes für ein »privates« Bahnunternehmen im Einsatz war.
Im August 2000 ging die Lok dann in den Bestand der noch recht jungen Siemens Dispolok GmbH über, wo sie etwa ein Jahr später ihre heutige Bezeichnung »ES 64 P« erhielt. Ab Januar 2007 erhielt die Lok zusätzlich die inzwischen obligatorische NVR-Nummer 91 80 6127 001-6 D-DISPO. Außerdem tauschten die Stirnfronten ihr bekanntes Magenta gegen ein Gelb.

Im
März 2002 wartete der inzwischen als
ES 64 P 001 bezeichnete
»EuroSprinter« in Nürnberg auf neue Aufgaben.
Foto: Michael Mrugalla
Mit der Veräußerung der Siemens Dispolok GmbH an MRCE im Januar 2008 ging auch die ES 64 P in den Bestand dieses Lokomotiv-Vermieters über.
Im Juli 2009 erhielt die Lok ihr drittes Farbkleid. Die Stirnfronten sind nun hellgrau, die Seitenwände dunkelgrau. Die Fläche unter dem Frontfenster ist am Führerstand 1 silbern, am Führerstand 2 in Magenta gestaltet.
Technische Daten:
| Indienststellung: | 1992 |
| Achsfolge: | Bo Bo |
| Stromsystem: | 15 kV, 16,7 Hz |
| Anfahrzugkraft: | 300 kN |
| Höchstgeschwindigkeit: | 230 km/h |
| Länge über Puffer: | 19.580 mm |
| Gewicht: | 86 t |
| Hersteller: | Krauss-Maffei |
| Fabriknummer: | 20075 |
Die Lok ist weiterhin im MRCE-Lokpool eingestellt. Sie ist aber nicht fest an einen Kunden vermietet und wird inzwischen hauptsächlich für Versuchs- und Überführungsfahrten eingesetzt.
Bleibt zu hoffen, dass dieser innovative Einzelgänger den Eisenbahnfreunden noch viele Jahre erhalten bleibt.

Im
neuen Farbkleid ruhte sich ES 64 P 001 am
16. Juli 2009 in Nürnberg Hauptbahnhof aus. Michael
Mrugalla drückte am frühen Morgen auf den
Auslöser.