Am 2. Juni 2010 eröffnete die Regionalbahn Schleswig-Holstein im Rahmen einer kleinen Festveranstaltung ihre neue Wartungshalle für den Betriebshof (Bh) Kiel. Die Werkstatt entstand unmittelbar neben der bisherigen Reisezugwagenwerkstatt. Knapp 4,5 Millionen Euro investierte die DB. Circa 30 Mitarbeiter finden hier einen neuen Arbeitsplatz. Sie wechselten zum größten Teil aus dem Bh Lübeck hierher, der damit geschlossen wurde.
Stefan Meyer
Im neuen Betriebshof können zwei Züge gleichzeitig auf den beiden modernen, aufgeständerten Wartungsgleisen untersucht und repariert werden. Spezialhubwagen zum Austausch von Motor- und Getriebeblöcken, eine Hebebockanlage, um Drehgestelle zu tauschen, eine fahrbare Dacharbeitsbühne und ein 10 t Brückenkran ermöglichen einen rationellen Betrieb. Die Halle wird für die 25 LINT-Dieseltriebwagen der Baureihe 648.3 des Ostnetzes Schleswig-Holstein genutzt. Weiterhin steht noch ein Reservetriebwagen der Baureihe 628 zur Verfügung, der im Bedarfsfall zwischen Kiel und Flensburg pendelt. Die sechs Triebwagen der Baureihe 648.0, die sonst diese Strecke bedienen, werden derzeit in der Northrail Werkstatt in Kiel Süd gewartet. Wie auf der Festveranstaltung zur Eröffnung mehrfach beteuert wurde, reicht die Werkstattkapazität in Zukunft auch für die Fahrzeuge des Nordnetzes, das die DB im letzten Jahr für sich gewinnen konnte. Auch hier hatte sich die DB mit Dieseltriebwagen der Bauart LINT beworben. Start wird im Dezember 2011 sein.

648 335 und 338 zur Einweihung in der neuen Werkstatt des
Betriebshofs Kiel. Foto: (2. Juni 2010) Stefan Meyer
Neben den prominenten Festrednern, wie Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Jost de Jager, der Konzernbeauftragten der DB Ute Plambeck und dem Leiter der Regionalbahn Schleswig-Holstein Edward Jendretzki, waren das Management der Regionalbahn Schleswig-Holstein, die Presse und Mitarbeiter des Bh Kiel eingeladen. Jost de Jager gratulierte DB Regio zum Gewinn des Nord- und Ostnetzes und lobte die Regionalbahn Schleswig-Holstein für ihre professionelle Arbeit. Besonders wies er darauf hin, dass nach der Vergabe des Netzes Mitte, die im Laufe dieses Jahres gestartet wird, der gesamte schienengebundene Nahverkehr in Schleswig-Holstein einmal ausgeschrieben sein wird.

Jost de Jager, Ute Plambeck und Edward Jendretzki bei der
Einweihung des neuen Werkstattgebäudes am 2. Juni 2010. Foto: Stefan Meyer
Der Bh Kiel hat sich für die DB mit dem Neubau endgültig als betriebliches Zentrum des schleswig-holsteinischen Nahverkehrs in Kiel etabliert. Seit dem Bau der Strecke Altona Kiel im Jahre 1844 sind hier Fahrzeuge instandgehalten worden. Vornehmlich waren dies Personenzugloks, die Güterzugloks waren immer in Neumünster stationiert. Außer wenigen Loks der Baureihe 17, die in den dreißiger Jahren direkte Schnellzüge von Kiel nach Berlin über Lübeck Hagenow bespannten, waren keine weiteren Schnellzugloks vorhanden. Am 30. April 1959 beendete Kiel die Lokunterhaltung und gab die letzten Dampfloks an die Bahnbetriebswerke Lübeck, Neumünster und Flensburg ab. Von da an war Kiel ein Personal- beziehungsweise Einsatz-Bw und beheimatete nur noch Reisezugwagen. Dies änderte sich erst Mitte der achtziger Jahre, als Kiel die Wartung von Triebwagen der Baureihe 628 übernahm. Mit der Elektrifizierung der Strecke Hamburg Flensburg/Kiel im Jahre 1995 kam auch die Betreuung von Elektrolokomotiven hinzu.

Zum offiziell ersten Mal fährt ein Triebwagen in die
neue Werkstatt für Triebwagen. 648 335 am 2. Juni 2010 im Bh Kiel. Foto: Stefan Meyer
Für die Regionalbahn Schleswig-Holstein war es vorrangiges Ziel, die Instandhaltung am Standort Kiel zusammenzufassen. Das hundert Jahre alte Bahnbetriebswerk (Bw) beziehungsweise der spätere Bh Lübeck entsprach nicht mehr dem Stand der Technik und hätte aufwendig renoviert werden müssen.
Triebfahrzeuge der Regionalbahn Schleswig-Holstein
am 2. Juni 2010 in der Abstellgruppe des Betriebshofs Kiel: 648 346, 628 598
und 143 261. Foto: Stefan Meyer

Dritte Lokschuppen-Generationen des Bh Kiel. Am 2. Juni 2010
steht 218 399 in der Zufahrt zum Betriebshof. Foto: Stefan Meyer
Der Bau des Bw Lübeck ging auf die Eröffnung des neuen Lübecker Hauptbahnhofs am 1. Mai 1908 und die damit verbundene Umgestaltung der Bahnanlagen zurück. Eigentlich handelte es sich um zwei verschiedene Werke: das ehemalige Bw der Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE), bestehend aus einem Ringlokschuppen und einem Rechteckschuppen, und das Bw der Eutin-Lübecker Eisenbahn, hier wurde ein Rechteckschuppen errichtet. Die »Wendelokomotiven« aus Bad Kleinen (anfangs Loks der Meckl. Friedrich-Franz-Eisenbahn, dann Reichsbahn) und später auch aus Neustadt/Holstein (Reichsbahn) benutzten die Anlagen der LBE mit. Mit der Verstaatlichung der beiden Privatbahnen in den Jahren 1938 und 1941 wurden die Anlagen zum Bw Lübeck der Deutschen Reichsbahn zusammengefasst. Entsprechend groß war das Bw danach und hatte daher immer eine herausragende Bedeutung für den Osten von Holstein.

Die 23.10 der Deutschen Reichsbahn waren auch im grenzüberschreitenden
Schnellzugverkehr tätig. 23 1010 des Bw Schwerin übernimmt im April
1968 im Lübecker Hbf die Weiterbeförderung des Schnellzugs Hamburg Rostock
in Richtung Rostock. Foto: Ulf Heitmann
Früh kamen Schienenbusse und Dieselloks nach Lübeck und lösten die Dampfloks ab. Getrieben vom Neubau der Vogelfluglinie wurde das Bw 1965 als eines der ersten Werke in Deutschland dampffrei. Die modernen Dieselloks der Baureihe V200.1 bedienten die Strecke von Hamburg nach Puttgarden. Ab 1980 übernahm die Baureihe 218 die Leistungen der Baureihe 221, 1984 auch die der Baureihe 220. Im Jahre 1982 wurde das Bw Hamburg-Altona aufgelöst, die Fahrzeuge gingen an das Bw Lübeck. 1995 folgten dann auch die Loks der Baureihe 218 des Bw Flensburg. Damit waren alle in Schleswig-Holstein eingesetzten Großdieselloks in Lübeck stationiert. Sie waren auf allen Hauptstrecken von Hamburg aus nach Norden und auch im nördlichen Niedersachsen zu finden.

Im Juni 1969 wartet V 180 339 des Bw Schwerin als sogenannte
»Wendelokomotive« im Bw Lübeck auf ihren nächsten Einsatz
in Richtung Osten. Foto: Ulf Heitmann

Der Ringlokschuppen der ehemaligen Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE)
beherbergt am 13. Februar 2009 keine Lokomotiven mehr. Foto: Stefan Meyer
Der Bh Lübeck wurde nach der Bahnreform DB Regio zugeschlagen,
die Aufgaben für den Fern- und Güterverkehr wurden nach und nach abgegeben.
Die Diesellokomotiven für den Sylt-Shuttle, sie gehören zu DB-Autozug,
werden jetzt in Niebüll gewartet. 2005 ging der Personenverkehr der Marschbahn
an die Nord-Ostsee-Bahn, damit endete dort der Einsatz der Baureihe 218 im Regionalverkehr.
Die einzelnen IC werden unverändert zwischen Hamburg und Westerland mit
Doppeltraktion-218 bespannt, in der Regel heute »gestellt« von DB-Autozug
oder dem Bw Kiel. Mit der Elektrifizierung der anderen Hauptbahnen in Schleswig-Holstein
sank der Stern des Bh Lübeck weiter. Besonders nach der Elektrifizierung
der Strecke Hamburg Lübeck im Dezember 2008 blieben zuletzt
nur noch wenige Loks der Baureihe 218 und die Triebwagen der Baureihen 628 und
648. Diese gingen nun nach Kiel. Damit endete am 28. Mai 2010 die
traditionsreiche Geschichte des Bw Lübeck.

Im ehemaligen Rechteckschuppen der LBE, erweitert um einen
Anbau, war die Werkstatt des Bw/Bh Lübeck untergebracht. Am 13. Februar 2009
ist allerdings nicht allzu viel Betrieb. Foto: Stefan Meyer

Der ehemalige Schuppen der Eutin-Lübecker Eisenbahn (ELE)
diente lange Zeit als Lagerschuppen. Foto: Stefan Meyer

Sie warten auf neue Einsätze: 218 172, 491 und 323
am 16. Mai 1998 vor dem Lokschuppen im Betriebshof Lübeck. Foto: Stefan Meyer