Home Inhaltsverzeichnis Die Parkeisenbahn Cottbus Forum
 LOKRUNDSCHAU 252

InnoTrans 2010

Wieder einmal übertraf die aktuelle Bahnmesse InnoTrans in Berlin ihre Vorgänger in der Anzahl der Aussteller, Ausstellungsfläche und Fachbesucher. Auf 81.226 m² Ausstellungsfläche präsentierten 2.242 Austeller vom Zulieferer bis zum Systemanbieter ihre Produkte. Während die eigentlichen Fachgespräche in den Hallen stattfanden, waren die 121 Fahrzeuge auf 3.500 m Gleislänge im Außenbereich die Magneten für die Besucher. Die ersten vier Tage waren den Fachleuten vorbehalten, am Wochenende konnte das Berliner Publikum sich die Ausstellungstellungsstücke im Außengelände anschauen.

Stefan Meyer

Hier sollen nur die Highlights der bekannten Lok- und Triebwagenhersteller vorgestellt werden, mit den Herstellern von Bahnbaumaschinen hätte sich der Umfang leicht verdoppelt. Insgesamt 52 Weltpremieren, sechs Europapremieren und 14 Deutschlandpremieren zählte ein renommierter Bahnverlag.

Im Allgemeinen war zu beobachten, dass die Hersteller ihre Plattformkonzepte für alle Fahrzeugtypen weiter optimierten. Einzelabnahmen für individuelle Lösungen sind bei den komplizierten europaweiten Zulassungen praktisch nicht mehr möglich. Etliche Hersteller bieten jetzt neue Lokfamilien an, die die zukünftigen Normen für Crash und abgasarme Dieselmotoren erfüllen.

Siemens

Siemens zeigte als führender Systemhersteller ein umfangreiches Produktionsprogramm im Bahnbereich: Triebwagen für den Hochgeschwindigkeits- und Nahverkehr wie der Desiro Mainline für die belgische Staatsbahn und Diesel- und E-Loks.

Ein besonderes Highlight war die Präsentation des neuen ICE, die DB Baureihe 407. Basierend auf der Velaro D-Plattform soll das Fahrzeug das zukünftige Flaggschiff der DB für den internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehr werden. Ende 2011 wird es in Betrieb gehen – zunächst zwischen Frankfurt (Main) und Südfrankreich, später dann auch nach Belgien verkehren. Bis 2012 sollen 15 achtteilige Hochgeschwindigkeitszüge ausgeliefert sein. In Berlin zeigte Siemens eine verkürzte Version des Zuges, bestehend aus einem Kopf-, Mittel- und Bistrowagen.

ICE 407 001, 101 und 201
ICE 407 001, 101 und 201

Ein weiterer Velaro mit Werbung für seine internationalen Einsätze versteckte sich zwischen Diesel- und E-Loks.
Ein weiterer Velaro mit Werbung für seine internationalen Einsätze versteckte sich zwischen Diesel- und E-Loks.

Das zweite Highlight von Siemens war die die Vorstellung der neuen Lokomotivplattform Vectron als Nachfolger der bekannten und erfolgreichen EuroSprinter-Familie. Die Lokomotiven sind für unterschiedlichste Traktionsaufgaben entwickelt worden. Sie sind im Personen- und Güterverkehr national und grenzüberschreitend mit Höchstgeschwindigkeiten von 160 km/h oder 200 km/h einsetzbar. Die verschiedenen Leistungsklassen und Spannungssysteme mit Wechselstrom (AC), Gleichstrom (DC), Multisystem (MS) oder in dieselelektrischer Ausführung ermöglichen eine flexible und bedarfsgerechte Konfiguration. Eine weitere Besonderheit ist die strukturinterne Deformationszone, das so genannte Frontend. Dieses ist über Flansche mit dem Wagenkasten verbunden und kann im Havariefall leicht ausgewechselt werden.

Die elektrischen Vectron–Maschinen, aufgereiht in Mehrsystem- (MS 193 902), Wechselstrom- (AC 193 933) und Gleichstromausführung (DC 191 951)
Die elektrischen Vectron–Maschinen, aufgereiht in Mehrsystem- (MS 193 902), Wechselstrom- (AC 193 933) und Gleichstromausführung (DC 191 951).

Die dieselelektrische Variante 247 901
Die dieselelektrische Variante 247 901.

Bombardier

Auch Bombardier stellte seine umfangreiche Produktpalette vor. Der Hochgeschwindigkeitsbereich wurde vom 1:1-Modell des neuen ZEFIRO 380 abgedeckt. Einige Züge der Plattform sind bereits im Einsatz, ein großer Auftrag konnte für China akquiriert werden. Außerdem hat Trenitalia den V300ZEFIRO mit einer Höchstgeschwindigkeit von 360 km/h als bevorzugte Lösung für Italien ausgewählt.

Selbstverständlich durften auch Vertreter der TRAXX, der wohl derzeit erfolgreichsten europäischen Lokplattform, nicht fehlen. Die TRAXX-Lokfamilie wird schon seit Jahren hergestellt und seitdem immer recht moderat weiterentwickelt. Es wurden zwei Lokomotiven vorgestellt, die die internationalen Einsatzmöglichkeiten dokumentieren.
Die E-Lok 186 105 vom Typ F140MS für RAILPOOL ist als Mehrsystemlok für unterschiedliche Stromsysteme geeignet.

Die 186 105 ist eine TRAXX F140MS von Railpool
Die 186 105 ist eine TRAXX F140MS von Railpool.

Bei der zweiten Variante der TRAXX, die vorgestellt wurde, handelt es sich um eine dieselelektrische Lok für die polnische Bahngesellschaft Lotos. Das Fahrzeug wird auch in der Tschechischen Republik und in der Slowakei zugelassen, wodurch ein neuer Schienenkorridor ermöglicht wird.

Die dieselelektrische TRAXX 285 121 entstammt einer Serie für die polnische Bahngesellschaft Lotus.
Die dieselelektrische TRAXX 285 121 entstammt einer Serie für die polnische Bahngesellschaft Lotus.

Ein weiteres Ausstellungsstück aus der Kasseler Lokschmiede war die Zweikraft-Lokomotive ALP-45 DP für den nordamerikanischen Markt. Die wuchtige Maschine erregte die Aufmerksamkeit der Besucher. Zum ersten Mal kann in Nordamerika eine Lokomotive sowohl mit Dieselkraft als auch mit Wechselstrom aus Oberleitungen betrieben werden. Dank dieser flexiblen Antriebstechnik können die Lokomotiven auf dem gesamten Netz von NJ TRANSIT beziehungsweise AMT eingesetzt werden, das nur teilweise elektrifiziert ist.

Bombardier ALP-45DP, gebaut im Kasseler Bombardierwerk.
Bombardier ALP-45DP, gebaut im Kasseler Bombardierwerk.

Unter dem Schlagwort ECO4 versteht Bombardier die Umsetzung von gleichzeitig wirtschaftlichen als auch umweltfreundlichen Lösungen. Der INTIO für VIAS ist mit einem schadstoffarmen Motor mit Dieselrußfilter ausgerüstet.

Ein Bombardier-Intio für die hessische Privatbahn VIAS VT 123.2.
Ein Bombardier-Intio für die hessische Privatbahn VIAS VT 123.2.

Alstom

Auch der dritte große europäische Hersteller zeigte seine umfangreiche Produktpalette. In Deutschland ist die Firma sehr erfolgreich im Bau von Triebwagen wie dem Coradia Continental, der in einer Variante für Agilis gezeigt wurde. Aber auch ein Prototyp der neuen Prima II E-Lokomotivgeneration war zu sehen. Von den Hochgeschwindigkeitszügen wurde der aktuelle Pendolino der SBB für den Verkehr nach Italien gezeigt.

Der Pendolino 610 114, 610 214 und 610 414
Der Pendolino 610 114, 610 214 und 610 414

In Hamburg wird gespannt auf den neuen U-Bahntriebwagen DT5 gewartet. Derzeit werden zwei Fahrzeuge getestet, ab 2011 wird dann das erste Los fertiggestellt, das ab 2012 im Fahrgastdienst eingesetzt werden soll. Zum ersten Mal werden die Hochbahnzüge komplett durchgängig sein und über klimatisierte Fahrgasträume verfügen.

Der neue DT5 der Hamburger Hochbahn
Der neue DT5 der Hamburger Hochbahn.

Der Innenraum ist beim DT5 durchgängig begehbar
Der Innenraum ist beim DT5 durchgängig begehbar.

Vossloh

Die Dieselloksparte von Vossloh überarbeitete fast ihre gesamte Produktpalette. Es gibt eine klare Abgrenzung im Produktportfolio zwischen dem Kieler und dem spanischen Werk.
In Kiel werden Fahrzeuge mit Mittelführerstand in der Klasse bis 1.800 kW und die dieselhydraulische Lok G 2000 hergestellt.
Das neue Produktprogramm soll bis 2012 fünf Loktypen umfassen. Die dreiachsige G 6 mit circa 600 kW gibt es bereits seit 2008 und wird derzeit in größerer Stückzahl an den Verkehrsbetrieb Peine Salzgitter ausgeliefert. Die G 12 und DE 12 mit 1.200 kW Antriebsleistung sowie die G 18 und DE 18 mit 1.800 kW, alle in vierachsiger Ausführung, werden folgen. G steht dabei für Gelenkwellenantrieb (dieselhydraulische Kraftübertragung), DE für die dieselelektrische Version. Zur InnoTrans wurden die G 12 und die DE 18 vorgestellt.

Die G6 als 676 der VPS
Die G6 als 676 der VPS.

Die 1.200 kW starke G12 in dieselhydraulischer Variante.
Die 1.200 kW starke G12 in dieselhydraulischer Variante.

Das zukünftige Flaggschiff aus Kiel, die dieselelektrische DE18
Das zukünftige Flaggschiff aus Kiel, die dieselelektrische DE18.

Die Lücke zwischen dem Kieler Angebot und der Euro 3000/4000 hat Vossloh mit der EUROLIGHT geschlossen. Mit 2.800 kW und einer Achslast von unter 20 t ist sie auf Hauptbahnen und Nebenbahnen der Klassen C und D einsetzbar.

Die neue kleine Schwester der Euro 3000/4000 Baureihe die EUROLIGHT.
Die neue kleine Schwester der Euro 3000/4000 Baureihe die EUROLIGHT.

Voith

Voith ist erst seit wenigen Jahren als Hersteller von Diesellokomotiven tätig. Bisher brachte die Firma neben einzelnen Umbauten zwei dieselhydraulische Lokfamilien auf den Markt, die in Zukunft erweitert werden sollen. Eine Maxima 40CC wurde auf der Messe an Wiebe übergeben. Eine zweite Lok dieses Typs wurde vom tschechischen Hersteller Legios vorgestellt. Legios nannte sich für die internationale Ausrichtung um. Die Firma blickt auf eine lange Tradition als Hersteller von Güterwagen zurück und wird die Maxima exklusiv für den ost- und mitteleuropäischen Markt als Lizenzbau herstellen und vertreiben.

Die Voith Maxima 40CC übernahm Wiebe auf der Messe
Die Voith Maxima 40CC übernahm Wiebe auf der Messe

Legios montierte die erste Maxima für den mittel- und osteuropäischen Markt selbst.
Legios montierte die erste Maxima für den mittel- und osteuropäischen Markt selbst.

Mit der Gravita 10 BB mit 1.000 kW konnte sich Voith als Lieferant für die DB durchsetzen. Nun stellte der Hersteller die 1.500 kW starke größere Schwester 15 BB vor.

Die Gravita Lokfamilie wurde um die Type 15 BB erweitert.
Die Gravita Lokfamilie wurde um die Type 15 BB erweitert.

Stadler

Auch Stadler ist ein verhältnismäßig junger, aber wichtiger Hersteller im Bahnbereich. Mit der Berliner Produktionsstätte hat sich die Firma in Deutschland einen großen Marktanteil erschließen können. Ausgestellt hat die Firma die bekannten Flirt und GTW.

Der GTW 2/8 wurde für die Graz-Köflacher Bahn (GKB) gebaut.
Der GTW 2/8 wurde für die Graz-Köflacher Bahn (GKB) gebaut.

Ein Doppelstocktriebwagen bot sich schon lange an. Derzeit entwickelt Stadler eine solche Baureihe für die SBB, die auch für den deutschen Markt gedacht ist. Die ODEG wird ab 2012 mit 16 dieser Fahrzeuge das Netz Stadtbahn in Berlin/Brandenburg betreiben.

Elektrischer Doppelstockzug für die SBB.
Elektrischer Doppelstockzug für die SBB.

Weitere Aussteller

Viele kleine Aussteller bleiben hier unerwähnt, da ihre Produkte wohl nie in Deutschland zugelassen werden. Gerade die lokalen osteuropäischen Produzenten zeigten interessante und teilweise auch schöne Triebwagenkonstruktionen. Vielleicht schafft doch mal das eine oder andere Fahrzeug den Weg nach Westeuropa.

Zwei interessante Sonderfahrzeuge sollen aber noch gezeigt werden.

Das modulare Konzept: MPV Multi Purpose Vehicle (vierachsig) kann seine Herkunft vom Cargo Sprinter nicht verbergen. Das gezeigte Fahrzeug wurde für die Schweizer Südostbahn gebaut. Bisher wurden 30 Fahrzeuge hergestellt. Das modulare Konzept ermöglicht die Berücksichtigung fast aller Kundenwünsche. Eingesetzt werden die Fahrzeuge im Bereich Löschen und Retten beziehungsweise in der Notfallwartung, wo die hohe Endgeschwindigkeit benötigt wird.

Ein Multi Purpose Vehicle von Windhoff für die Schweizer Südostbahn.
Ein Multi Purpose Vehicle von Windhoff für die Schweizer Südostbahn.

Der Firmeninhaber der gleichnamigen Baufirma, Herr Hermann Wiebe, hat sich den Traum aller Bahnfans erfüllt. Seine betriebsfähige Hanomag Dampflok 9445 von 1925 wurde für Führerstandsmitfahrten am eigenen Messestand genutzt. Die Lok wird von den Dampflokfreunden Salzwedel betreut.

Lok Emma der Firma Wiebe pendelte über das Anschlussgleis der Berliner Messe.
Lok Emma der Firma Wiebe pendelte über das Anschlussgleis der Berliner Messe.

Alle Fotos: Stefan Meyer


Copyright © LOKRUNDSCHAU (magazin@lokrundschau.de)
Letzte Aktualisierung am 19. Oktober 2010

Home Inhaltsverzeichnis Die Parkeisenbahn Cottbus Forum